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Zu „Dantons Tod“:

EIN KLASSIKER IM NEUEN GEWAND

„Und wir werden ein Blutgericht über unsere Feinde halten.“ So startete am Samstag die zweite Aufführung von Georg Büchners Drama „Dantons Tod“ in der Studiobühne Siegburg. Jonas Herkenhoff in der Rolle des Robespierre führte die Zuschauer durch seinen professionell vorgeführten Monolog in das Geschehen der Französischen Revolution ein. Schnell entwickelt sich dieser zum Dialog der beiden Protagonisten und (Arash Nayebbandi) Danton entgegnet den appellierenden Worten Robespierres: „Wo die Notwehr aufhört, fängt der Mord an.“

Diese Auseinandersetzung spiegelt die zentrale Problematik des Dramas wider. Gezeigt werden einerseits Robespierre, ein asketisch lebender Revolutionär, der den Jakobinern angehört und die Meinung vertritt, der Zweck heilige die Mittel. Er befürwortet die zunehmende Radikalisierung der Revolution. Andererseits Danton: Er verkörpert den Zweifel an der Schreckensherrschaft der Jakobiner. Er möchte die Republik ohne Gewalt entstehen lassen und ist ein gemäßigter Revolutionär. So spaltet sich das Lager in das der radikalen Jakobiner und das der gemäßigten Dantonisten.

Unter dem Motto der Spielzeit 2013/14 „Zwischen Striptease und Revolution“ erarbeitete Regisseur Bardia Rousta das Stück „Dantons Tod“ binnen sechs Wochen mit den acht Schauspielschülern. Laut Rousta sind 80 Prozent der Dialoge im Original aus Georg Büchners Drama übernommen. Der Rest seien eingebettet, um die Verbindung zur heutigen Zeit herzustellen. „Wir schlagen eine Brücke aus dem 18. in das 21. Jahrhundert – ohne Büchners Sprache zu verfälschen.“ Das Stück deutet auch auf moderne politische Missstände hin: Stichwörter sind Stuttgart 21 und die NSA-Spähaffäre, sowie die allgemeine gesellschaftliche Entwicklung hin zu der Annahme, Sicherheit stehe über Freiheit.

Zwischen den Szenen lässt Rousta Videoausschnitte einspielen, die neben Bildern von Polizeigewalt auch die Texte von Artikel 1 und 5 des Grundgesetzes zeigen. Die Interpretation der Eindrücke in Hinblick auf Büchners Drama aus der Vormärz-Epoche bleibt dem Zuschauer selbst überlassen und verlangt dem Laien ein Gewisses Maß an Nachrecherche ab. Besonderes Lob gilt den schon erwähnten Darstellern, die das Publikum mit ihren authentischen Emotionen erfolgreich in ihren Bann zogen.

, Aline Braun, Kölner Stadt-Anzeiger am
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