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Aus der Kirche Sankt Hedwig könnte eine Kulturkirche werden

René Böttcher, Leiter der Studiobühne, will aus der Zanger Filialkirche Sankt Hedwig eine Kulturkirche machen. Ob das gelingt, hängt von der Gemeinde und auch vom Erzbistum ab.

Siegburg. Antigone stirbt am Altar, unter dem Kruzifix stellt Hamlet die berühmte Frage nach Sein oder Nichtsein: So könnte es aussehen, wenn der Traum von René Böttcher Wirklichkeit werden sollte. Der Leiter der Studiobühne und Schauspielschule will aus der Zanger Filialkirche Sankt Hedwig eine Kulturkirche machen. Ob es ihm gelingt, hängt von der Zustimmung der Pfarrgemeinde Sankt Servatius ab, zu der die Filialkirche gehört, und vom Erzbistum, das eine Profanierung (Entweihung) von Sankt Hedwig genehmigen müsste.

Indes habe sich der Kirchenvorstand „noch nicht positioniert“, räumt Vorsitzender Alfons Wehner ein. Ohne den neuen Stadtpfarrer und Kreisdechanten Thomas Jablonka, der am 1. Februar seinen Dienst antritt, werde nichts entschieden. Auf den wartet auch der Förderverein von Sankt Hedwig, dessen Vorsitzender Hermann Becher allerdings deutlich macht: „Wir sind nicht ohne weiteres bereit, die Kirche aufzugeben.“ Seit sechs Jahren organisiert der Verein die regelmäßigen Wortgottesdienste an Sankt Hedwig, zudem, so Becher, fänden dort unter anderem die 14-täglichen Schulgottesdienste statt.

Tägliches Möbelrücken

Derweil türmen sich im Domizil der Studiobühne an der Humperdinckstraße Kulissen, Kostüme und Requisiten, auch im Theatersälchen darüber und einem zweiten Mehrzweckraum herrscht drangvolle Enge. „Wir sind nur noch Manager unserer Räume“, seufzt René Böttcher. Statt Kulissen zu schieben, müssen sie mehrmals täglich Möbel rücken. Und mehr noch: Bei manchen Projekten, für die es nicht unerhebliche Fördermittel gegeben hätte, „mussten wir Nein sagen“, weil der Platz fehlt: „Da gehen uns Einnahmen verloren“. Auch deshalb suchen die rund 200 Aktiven von Schauspielschule, Studiobühne und Kindertheater „Tollhaus“ ein neues Zuhause.

Auf der Zange glaubt es Böttcher gefunden zu haben: Aus Sankt Hedwig wollen die Schauspieler einen „Ort der Kunst, der Kultur und des Miteinanders“ machen. Der Kindergarten, für den derzeit gegenüber ein Neubau entsteht, soll der Schauspielschule und dem Kinder- und Jugendtheater Tollhaus dienen. Ein drittes Haus wollen sie in Eigenregie bauen, um darin ein Stadtteilcafé und einen Treffpunkt für die Zanger Bürger zu schaffen.

Ehrgeizige Pläne. Doch ob sich die Idee, die Böttcher mit der Siegburger Künstlerin Martina Claasen entwickelt hat, realisiert werden kann, ist fraglich. Zwar hätten ihm Mitglieder des Pfarrgemeinderates ihre Unterstützung zugesagt, doch Stefan Groß, stellvertretender Vorsitzender des Kirchenvorstands, klingt eher zurückhaltend. Eine Profanierung von Sankt Hedwig werde das Bistum kaum genehmigen, vermutet er, und außerdem hat die Pfarrgemeinde andere Pläne mit der Filialkirche.

Ein Teil des Gebäudes soll laut Groß abgetrennt und als Kleiderstube und Schulungsraum für Flüchtlinge dienen. So sei es auch mit den Zanger Bürgern abgesprochen, versichert er. Zudem ist vorgesehen, den Kindergarten, der mit Schadstoffen belastet ist, abzureißen, um Platz für Wohnhäuser zu schaffen, bestätigt Wehner.

„Was kann profaner sein, als zwei Wohnhäuser?“, meint Böttcher dazu und erinnert an jene „visionären“ Zanger Bürger, die damals den Bau ihrer Kirche ermöglicht hätten. Auf die Kraft der Fantasie setzt der Theatermann auch jetzt. Mit seinem Projekt werde der Stadtteil eine „ganz neue Vitalität“ bekommen. Zum einen werde in der Kirche bis auf die eine Heilige Messe pro Jahr auch künftig alles möglich sein und zudem ein im Rhein-Sieg-Kreis „einmaliges“ Kulturzentrum entstehen. Sankt Hedwig biete Raum für mannigfaltige kulturelle und soziale Veranstaltungen. Neben dem Programm der Studiobühne kann er sich auch Hochzeits- und Geburtstagsfeiern, Tagungen, Workshops und Karnevalsveranstaltungen vorstellen. Und die Zange bekomme mit dem geplanten Stadtteilcafé auch endlich einen Bürgertreffpunkt.

Über die Finanzierung hat sich Böttcher freilich noch keine Gedanken gemacht. Zunächst will er die Menschen für seine Idee begeistern. Dass ihm das in der Künstlerszene gelingen dürfte, ist keine Frage. Aber auch Vizebürgermeisterin Dr. Susanne Haase-Mühlbauer, die gleich neben Sankt Hedwig wohnt, könnte sich „keine besseren Nachbarn“ als die Studiobühne vorstellen – wenn denn die Kirche tatsächlich geschlossen werden sollte. Die habe aber oberste Priorität, denn dort „findet immer noch sehr viel Kirche statt.“

, Günter Willscheid, Rhein-Sieg Anzeiger am
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