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Zwischen Liebe und Prügelei

20.06.2016 SIEGBURG. Rund 100 junge Schauspieler des Theaters Tollhaus zeigten das Wochenende über selbst inszenierte Stücke auf der Studiobühne in Siegburg. Einige der Nachwuchs-Mimen haben schon den Sprung an die Schauspielschule geschafft.

Gerade noch haben sie sich wild geprügelt, jetzt stehen sie einträchtig beisammen, trinken eine Limo und grinsen über das ganze Gesicht. Natürlich haben sich Joy Stoggart (10), Paula Gießler (10) und Elli Rath (11) nicht wirklich verhauen, sondern die Schlägerei nur gespielt. Denn die drei Mädels gehören zu einer Gruppe von insgesamt sieben neun- bis elfjährigen Nachwuchstalenten vom Theater Tollhaus, dem Kinder- und Jugendtheater der Studiobühne Siegburg. Das präsentierte am Wochenende seine im Laufe des Jahres inszenierten Stücke.

Das Hineinschlüpfen in andere Rollen macht den drei Mädchen ebenso viel Spaß wie das Entwickeln der Stücke. Untereinander verstehen sie sich bestens, obwohl es „manchmal auch Zickenterror gibt, denn wir sind ja alle Mädchen“, erzählt Elli treuherzig. „Ein Stück über die Freundschaft“ haben sie gerade aufgeführt. Wie es dazu kam? „Wir wollten mal etwas zwischen Liebe und Prügelei machen“, berichtet die Elfjährige. Bei Julie Fees, die zusammen mit Theaterleiterin Maike Mielewski im Jugendtheater rund 100 Sieben- bis 18-Jährige betreut, fanden sie ein offenes Ohr für ihren Wunsch. „Eine einfache Prügelei war uns aber zu simpel“, erzählt die ausgebildete Schauspielerin. Daher habe man sich für Standbilder entschieden. Die einzelnen Szenen und auch die Texte wurden zunächst improvisiert, anschließend von Fees festgelegt.

Geschichte über Rivalität

In der Geschichte geht es um die Rivalität zwischen den Mitgliedern einer Musikband und denen einer Straßengang. Die Mädels spielten so cool, dass sie zu Recht viel Applaus vom Publikum bekamen. Den verdienten sich auch die älteren „Kollegen“ zwischen 13 und 18 Jahren mit ihren Auftritten, bei denen sie die ganze Bandbreite von Slapstick über Tanz bis zum Drama boten. Zum Schreien komisch war etwa eine Szene, wo die Jugendlichen die gelangweilte Schicki-Micki-Gesellschaft mit ihrem Bussi-Bussi-Gehabe auf noch langweiligeren Partys karikieren.

Aus einer Notlage heraus ins Leben gerufen

Maike Mielewski und René Böttcher haben das Theater Tollhaus 2004 eher aus einer Notlage heraus ins Leben gerufen. Mit dem Kauf der Studiobühne hatten sie sich finanziell verausgabt und konnten nicht einmal mehr die private Miete bezahlen. Im März meldeten sich die ersten drei Kinder an, bereits im Sommer konnten vier Gruppen die Arbeit aufnehmen. Ziel der neuen Einrichtung war es laut Böttcher, Kindern Werte zu vermitteln, ihnen beizubringen, Verantwortung zu übernehmen und in einer Gruppe zu agieren. Außerdem wollte man sie zu eigenen Aktivitäten animieren, „weg von Bespaßung und Rundumbetreuung“, so Böttcher. Und letztlich sollte das Theater ihnen einen festen Ort bieten, wo sie sich ausleben können, ergänzt Mielewski.

Projekt "Jedem Kind eine Bühne"

Einige der Tollhaus-Mitglieder haben den Sprung in die Schauspielschule Siegburg geschafft, die auch von Mielewski und Böttcher geleitet wird. Marana Hartock hat 2004 im Tollhaus angefangen und legt in 14 Tagen ihre Prüfung an der Schauspielschule ab. Julia Stiller, auch vom ersten Tag dabei, fand bereits ein Engagement bei einem Tourneetheater. Wichtig ist den Theaterleitern, dass auch Kinder und Jugendliche aus sozial schwachen Familien teilnehmen können. Nachdem das Projekt „Jedem Kind eine Bühne“ nicht weiter öffentlich und privat gefördert wird, suchen sie Paten, die die monatlichen Kursgebühren in Höhe von 35 Euro für eins dieser Kinder über eine begrenzte oder unbegrenzte Zeit übernehmen.

Mehr Infos auf www.theaterseite.de/spenden-helfen/jekib

, Paul Kieras, General-Anzeiger am
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