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Siegburger Studiobühne prägt die Theaterkultur in der Region

SIEGBURG. Die Schauspieler und Theaterpädagogen Maike Mielewski und René Böttcher prägen seit 14 Jahren die Theaterkultur der Kreisstadt. Viele Kinder und Jugendliche haben sie an die Schauspielerei herangeführt.

Sie könne sich auch vorstellen, ein geregeltes Einkommen, weniger Stress und ein Häuschen im Grünen zu haben, gibt Maike Mielewski offen zu. „Allerdings wäre ich damit allein auch nicht glücklich“, sagt die 36-Jährige. Seit 2003, nach Abschluss ihrer Schauspielausbildung an der Theaterfachschule Bongôrt von Roy, ist sie Pädagogin für Bewegung und Schauspiel an der Studiobühne, und seit 2004 leitet sie mit René Böttcher (38) die Studiobühne, das Kinder- und Jugendtheater „Theater Tollhaus“ und die Schauspielschule Siegburg.

Für ihren Partner ist das Theater alternativlos: „Ich mach nichts anderes als das, was ich schon im Kindergarten und in der Schule gemacht habe: Ich bau mir meine Welt neu“, erklärt er. Der 38-Jährige sieht sich als „Terrorist mit theatralen Mitteln“, um die Welt zu verändern. In 14 Jahren haben die beiden es geschafft, mit der Studiobühne eine Kulturstätte zu etablieren, die in Siegburg und in der gesamten Region einmalig ist.

"Provisorische" Unterbringung bis heute

Gegründet wurde sie 1998 von Wolf Bongôrt von Roy, der vom damaligen Siegburger Kulturdezernenten Gerd Fischer aus Bergisch Gladbach in die Kreisstadt gelockt worden war. Mangels geeigneter Räumlichkeiten wurde Bongôrt von Roy „vorübergehend“ im Volkshochschul-Gebäude untergebracht. „In diesem Provisorium sind wir jetzt seit 20 Jahren zu Hause“, sagt Böttcher, der damals als Schauspielschüler mitgekommen war, im Jahr 2000 seinen Abschluss machte und dann als Regisseur an seiner Ausbildungsstätte blieb.

2001 erwarb Bongôrt von Roy in Leipzig ein altes Fabrikgebäude mit 26.000 Quadratmetern, das er als Alternative zu Siegburg umbaute. Mit dabei: Böttcher und Mielewski, die damals auch privat ein Paar waren. In den Ferien lebten sie in Leipzig, halfen dort beim Aufbau, investierten ihr gesamtes Geld in die Renovierung eines heruntergekommenen Wohnhauses.

2003 verließ Bongôrt von Roy Siegburg für immer. Da Böttcher sich mit ihm überworfen hatte, wollten er und seine Partnerin den bis dahin von ihnen geführten Siegburger Betrieb übernehmen. 20.000 Euro mussten sie dafür aufbringen. Geld, das sie nicht hatten und nicht auftreiben konnten. Die Rettung kam in Person einer Mäzenin, die ihnen die Summe zinslos lieh.

Eine Mäzenin half den jungen Theaterchefs

„Wir waren naiv und wurden von allem überrollt“, erzählt Mielewski. Der „Laden“ gehörte ihnen jetzt zwar, aber die Einnahmen durch die Studiengebühr der zwölf übrig gebliebenen Schauspielschüler konnten Miete und Gehalt von vier Dozenten nicht decken. Ihre ehemaligen Lehrer, Ulrike Joannou-Mittag und Martin Eng, wollten sie auf jeden Fall halten. Bis heute ist ihnen das gelungen.

„Wir haben eine Geldquelle gesucht und sind auf das Theater Tollhaus gekommen“, so Böttcher. Nachts habe man Plakate in der Stadt angebracht, schon am nächsten Tag seien telefonische Anmeldungen eingegangen. „Damit haben wir uns finanziert.“ Außerdem kam durch Kinder- und Jugendstücke, musikalische Abende oder Zwei-Personen-Stücke Geld in die Kasse. Das bedeutete aber auch bis zu 18 Stunden Arbeit am Tag. Diese Zeit hat sie geprägt.

„Armut ist gut zum Lernen, was man aus sich heraus zu machen in der Lage ist“, meint Böttcher. Geld bedeutet für ihn nur, besser planen zu können und Umsetzungen zu erleichtern. „Wir mussten viel improvisieren, manchmal stand das Bühnenbild erst am Premierenabend“, berichtet er. Diesen Stress haben sie nicht mehr, entspannen kann Maike Mielewski nach eigenen Worten trotzdem nie. „Ich bin total kritisch, mir fällt immer wieder etwas auf, das man verbessern kann. Es gibt keinen Stillstand“, beschreibt sie ihre Arbeit als Dozentin und Schauspielerin. Böttcher ist da lockerer: „Wenn ich sehe, dass ich das Mittelmaß übertroffen habe, bin ich zufrieden.“

Ehemalige Schüler sind durchaus erfolgreich

Hollywood-Stars von morgen herauszubringen, ist nicht der Ehrgeiz der beiden Theaterleute. „Unsere Schule ist eine Lebensschule, ein Raum, in dem man wachsen kann und in dem die Kunst den Rahmen vorgibt“, sieht es Böttcher, und Mielewski ergänzt: „Unser Hauptaugenmerk liegt auf der menschlichen Entwicklung der Schüler, nicht auf messbarem Erfolg.“ Natürlich freuen sie sich, wenn Ehemalige ihn haben. So wie Nadja Duesterberg, Schülerin von 2007 bis 2011, die 2017 mit dem Kölner Darstellerpreis ausgezeichnet wurde.

Haben die beiden einen Wunsch für die Zukunft der Studiobühne? Vor allem mehr Platz und eine Alternative zur „Übergangslösung“ in der VHS. Da sind Mielewski und Böttcher einig. Obwohl: „Die kleine Bühne würden wir schon gerne weiter bespielen“, bekennt Böttcher. Vor allem mit der 1000. Aufführung. Die wird's wohl im Januar 2019 geben.

, Paul Kieras, General-Anzeiger Bonn am
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